Freitag, 12. Oktober 2012

Warum der Friedensnobelpreis für die EU gerechtfertigt ist


Das Nobelpreiskomitee hat heute bekannt gegeben den Friedensnobelpreis in diesem Jahr an dieEuropäische Union zu vergeben. Eine ungewöhnliche Wahl. Wie schon bei der Vergabe des Friedensnobelpreises an Barack Obama vor drei Jahren gab es sofort in diversen Blogs, Kommentaren, auf Twitter und Facebook wahre Entrüstungsstürme. Auf der anderen Seite feierten sich die Staatschefs und die EU-Beamten selber. Eine der Begründungen des Nobelpreiskomitees ist, dass die EU maßgeblich zum Frieden derletzten 60 Jahre in Europa beigetragen habe. Vermutlich steckt hinter der Vergabe des Preises ein wenig mehr.

Betrachtet man die Vergabe der Friedensnobelpreise in den letzten Jahren etwas genauer wird eines sehr schnell klar: Der Preis wird nicht wie bei einem Wissenschaftsnobelpreis für ein Lebenswerk verteilt, sondern zur Unterstützung einer aktuellen politischen Situation. Bei Barack Obama wurde diese Haltung des Nobelpreiskomitees am deutlichsten, hatte der frisch gebackene US-Amerikanische Präsident doch noch gar keine Chance irgendwas zu bewirken. Das Nobelpreiskomitee drückt damit indirekt eine politische Haltung aus. Es unterstützt diese Person oder Institution. Auf der anderen Seite wächst auch der Druck auf die Person/Institution, die in sie hoch gesteckten Erwartungen zu erfüllen. Man kann das gut finden oder auch nicht. Ich finde das gut, denn man kann Persönlichkeiten feiern, die irgendwann mal was für den Frieden getan haben oder man kann Personen und Institutionen bestärken ihren aktuellen Kampf für den Frieden weiter zu führen. Beides hat seine Berechtigung.

Die EU ist nun ein besonderer Fall. Vieles in der EU liegt im argen, vor allem im wirtschaftlichen Bereich gibt es große Sorgen, wie jeder weiß. In Südeuropa wird massiv demonstriert und die Stimmen einer Aufspaltung Europas werden größer. Man kann dazu stehen wie man will, aber das Nobelpreiskomitee hat heute mit der Verleihung seine Position zur Frage „Europa, ja oder nein?“ ausgedrückt. Die Antwort lautet klar: „Ja zu Europa!“ Und ich finde das Nobelpreiskomitee hat recht. Wie viele wissen, befinde ich mich gerade auf einer einjährigen Weltreise und bin gerade in Mexiko. Mein Blick auf Europa ist also ein wenig anders als das der meisten anderen Europäer. Ich kann nur sagen, dass ein grenzenloses Europa mit einheitlicher Währung, freier Wohnungs- und Arbeitsortswahl eine fantastische Sache ist. Man weiß das eigentlich erst richtig zu schätzen, wenn man mal in andere Teile der Welt einreisen möchte. 
Man darf die EU nicht ausschließlich als eine Wirtschaftsunion begreifen, auch wenn da ihre Wurzeln liegen und man in Anbetracht der täglichen Nachrichten geneigt ist dies zu glauben. Die EU ist aber auch ein gesellschaftspolitisches Projekt und ein Projekt des Friedens und der Zusammenarbeit in Europa. Das wird gerne vergessen. Sie ist in Zeiten der immer stärkeren Globalisierung der Welt ein Vorbild für viele andere Regionen der Erde – trotz ihre massiven Probleme. 
Es gibt noch sehr, sehr viel zu tun in der EU, vor allem die geringe Demokratisierung bedarf dringend einer Überarbeitung, das ist völlig klar und kann auch nicht wegdiskutiert werden. Das Nobelpreiskomitee hat heute aber deutlich gemacht, was sie von einer Aufspaltung der EU hält: nämlich nichts – und das ist gut so.

Freitag, 20. Januar 2012

Online TV Recorder

Neue Startseite des Online TV Recorders
Seit etwa eineinhalb Jahren nutze ich den sogenannten Online TV Recorder. Dabei handelt es sich um einen Internetdienst, der das gesamte TV Programme aufnimmt und den Benutzer zur Verfügung stellt. Völlig legal.

Leider ist die Seite bisher insgesamt ein wenig unübersichtlich und umständlich gewesen. Nun steht aber eine komplette Überarbeitung der Seite in den Startlöchern und wird vermutlich bald die alte Seite ersetzen. Hier kann die neue Version bereits angeschaut werden. Anlässlich der neuen Seite habe ich eine kleine Übersicht der Funktionen erstellt, um mehr Leute auf diesen, wie ich finde, tollen Dienst aufmerksam zu machen. An dieser Stelle sei auf das Wiki von Online TV Recorder hingewiesen, dass viele der von mir hier beschriebenen Funktionen, ebenfalls genau beschreibt.

Rechtliche Grundlagen

Um den Online TV Recorder zu verstehen, muss man die rechtliche Lage verstehen. Grundsätzlich ist es verboten das TV-Programm aufzunehmen und dann einfach kostenlos zur Verfügung zu stellen. Nur die TV-Sender selber dürfen ihre Inhalte auf Webseiten veröffentlichen, was sie ja auch zu großen Teilen tun.
Es gibt aber eine kleine Lücke in diesem Gesetz: die sogenannte "Privatkopie". Jeder Mensch in Deutschland darf zu privaten Zwecken das TV-Programm aufnehmen. So wird es ja auch seit Jahrzehnten mit Videorekordern gemacht. Voraussetzung dafür, dass man eine Sendung legal aus dem TV aufgenommen hat, ist das individuelle Drücken der "Record"-Taste auf dem Videorekorder. Genau an dieser Stelle setzt der Online TV Recorder an. Auch hier muss der Benutzer in der Regel VOR der Sendung auf den Knopf Aufnehmen drücken. Dies ist - rein technisch betrachtet - aber nur symbolisch, denn das TV-Programm wird ohnehin komplett gespeichert. Würde man die Sendungen aber "einfach so" runter laden können, wäre es illegal. Das ist auch der Grund, warum man einen Account dort benötigt. Dieser ist aber komplett kostenlos.

Das Herunterladen von Dateien

Nehmen wir an, ein Tatort am Sonntag wurde ordnungsgemäß programmiert. Ist der Tatort dann gelaufen kann man ein paar Stunden später mit dem herunter laden beginnen. Dazu klickt man links auf Aufnahmen und bekommt alle programmierten und zum herunter laden bereiten Sendungen angezeigt.

Um die Datei nun tatsächlich herunter laden zu können gibt es nun zwei Möglichkeiten:

1. Direkt bei Online TV Recorder herunter laden
2. Bei einem externen Mirror-Server herunter laden.

Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Wählt man die erste Variante, so kostet es ein wenig Geld. Wählt man Variante zwei kostet es im Wesentlichen Nerven und Zeit.
Bei Variante 1 bekommt man einen schnellen Download, muss dafür aber sogenannte Punkte bezahlen. Diese Punkte kann man auf zwei verschiedene Arten bekommen: Indem man regelmäßig auf Werbebanner am Rand der Seite klickt oder indem man sie kauft. Man erhält 50 Punkte für einen Euro. Bezahlt werden kann per PayPal, Handy, Überweisung und noch einige Methoden mehr. Die Preise für einen Download schwanken zwischen 10 und 30 Punkten. Lädt man also viel herunter, kann es schnell mal teuer werden.
Übersicht der Downloadmöglichkeiten
Es gibt allerdings eine "Happy Hour". Täglich zwischen 0 und 8 Uhr können Sendungen komplett kostenlos herunter geladen werden.

Variante 2 hat den Vorteil komplett kostenlos zu sein. Allerdings ist das mit ein wenig Arbeit verbunden. Zunächst einmal klickt man unter Mirror auf Weiter. Nun wird man zum OTRkeyfinder weiter geleitet. Dort werden einem alle Server angezeigt, die die angefragte Sendung zur Verfügung stellen. Hier wählt man einen aus und hofft, dass dieser nicht überlastet ist. Solltet ihr einen Werbeblocker nutzen, solltet ihr diesen auf den externen Servern deaktivieren, denn viele dieser Server werden über Werbung finanziert. Einige bieten sogar einen "Spendendownload" an, der geringere Wartezeiten garantiert.
Mit den Servern muss man zum Teil sehr geduldig sein. Alle sind kostenlos, aber sie sind oft überlastet und man muss lange auf den Download warten. Manchmal funktioniert dieser auch gar nicht. Vor allem sehr beliebte Sendungen werden bereits einige Stunden nach der Ausstrahlung massenhaft herunter geladen. Am besten ist es, eine Sendungen erst zwei Tage später herunter zu laden. Das geht oft besser, da der Andrang nicht mehr so hoch ist und auch mehr Server die Sendung zur Verfügung stellen.

Ob man nun Variante 1 oder 2 bevorzugt bleibt jedem selbst überlassen. Im Prinzip ist das System aber sehr gerecht, denn beide Wege führen zum Ziel. Wer es schnell und bequem will, muss dafür ein wenig zahlen, alle anderen müssen eben Zeit investieren. Die Qualität der Aufnahmen ist aber identisch und immer gut.

Kodierte Dateien

Der OtrkeyFinder findet externe Server
Neben dem höheren Aufwand haben die Dateien der externen Server noch einen weiteren Nachteil: sie sind verschlüsselt. Man bekommt also keine direkt abspielbare Videodatei, sondern eine mit der Endung .otrkey. Dies ist notwendig, weil die externen Server für jeden erreichbar sind. Würde man die Videodateien dort unkodiert ablegen, wäre das illegal.
Um die Dateien nun aber in echte Videodateien umwandeln zu können, benötigt man einen Dekoder. Dieser ist kostenlos und kann direkt von der Online TV Recorder Seite herunter geladen werden. Das Programm gibt es für Windows, Mac und Linux. Mit diesem Programm wird nun überprüft, ob man die Berechtigung hat, die Datei an zugucken (also ob man einen Account besitzt und die Sendung programmiert hat). Ist alles in Ordnung, wird die Datei in eine Videodatei umgewandelt.

Der Premiumaccount

Wer öfters Sendungen aufnehmen und herunter laden will sollte sich einen Premiumaccount zulegen. Dieser kostet 60 Punkte für vier Wochen. Mit diesem Account kann man innerhalb der vier Wochen 120 kostenlose Dekodierungen vornehmen (normal sind nur 15 pro Monat) und man kann die sogenannten Wish-Lists verwenden.
Wish-Lists sind eine extrem praktische Einrichtung. Damit ist man in der Lage Sendungen automatisiert zu programmieren und spart sich immer einzeln irgendwelche Aufnehmen-Buttons zu klicken. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise immer automatisch die Lieblingsserien oder alle Spielfilme usw. programmieren. Herunter laden muss man sie dennoch selbständig.
Ich persönlich habe eine Wish-List, die einfach das gesamte TV-Programm aufnimmt. Somit kann ich auch nach ein paar Tagen noch eine beliebige Sendung herunter laden. Im Prinzip lese ich die TV-Zeitschrift seitdem rückwärts. Ich schaue immer, was es die letzten Tage so gab und lade die Datei dann herunter.

Fazit

Der Online TV Recorder ist eine feine Sache für Leute, die keinen Festplattenrecorder haben und/oder TV ohnehin vor allem am Computer schauen. Ich selbst habe einen DVD-Player, der einen USB-Slot hat und h.264-Videos abspielen kann. Moderne TV-Geräte können das inzwischen sogar direkt, ohne Player dazwischen.
Es gibt auch noch ein paar Features, die ich nun nicht weiter erwähnt habe, zum Beispiel Cutlists, mit denen man automatisch Werbung heraus schneiden kann, oder die Möglichkeit ausländisches TV-Programm auf zunehmen.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es auch noch andere Dienste gibt, die ähnliches anbieten wie SaveTV oder ShivtTV. Alle diese Dienste funktionieren nach dem gleichen Prinzip, sind aber meines Wissens nach im Gegensatz zu Online TV Recorder nicht vollständig kostenlos nutzbar.
Mir persönlich gefällt der Online TV Recorder, vor allem weil man zwischen der kostenlosen und der bezahlten Version wählen kann, die sich vor allem im Komfort unterscheiden. Ich werde ihm jedenfalls treu bleiben.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Weihnachtsmärkte


Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt
In Deutschland sind sie extrem beliebt und sie ziehen jährlich Millionen Touristen an: Weihnachtsmärkte. Jeder kennt sie und die meisten Menschen lieben sie. Und obwohl sich vermutlich jeder schon einmal über einen Weihnachtsmarkt geärgert hat ("zu wenig Kunsthandwerk", "komisches Publikum", "lieblos gestaltet") geht man doch immer wieder hin. Was aber macht nun einen guten Weihnachtsmarkt aus und wo sollte man hingehen? Hier ein paar Tipps!

Leckereien und Kunsthandwerk

Das Besondere an Weihnachtsmärkten sind ja vor allem die Leckereien und das Kunsthandwerk. Während aber das Kunsthandwerk auf vielen Märkten immer stärker in den Hintergrund gedrängt wird, steht Essen und vor allem Trinken immer stärker im Vordergrund - leider. Klar ist Glühwein lecker und von mir aus darf es auch ein Crepe oder eine Bratwurst sein. Aber wenn von 25 Ständen 12 Bratwürste und 12 Glühwein verkaufen macht das schlendern wenig Spaß.
Meiner Erfahrung nach sind inzwischen die besten Weihnachtsmärkte diejenigen, die nicht allein auf weiter Flur sind. Jede mittelgroße Stadt in Deutschland hat einen Weihnachtsmarkt. Richtig große Städte wie Köln, Berlin oder Hamburg haben oft mehrere. Da sich die einzelnen Märkte somit natürlich auch Konkurrenz machen, versucht jeder Markt sich vom jeweils anderen in irgendeiner Form abzugrenzen. Konkurrenz belebt eben auch hier das Geschäft. Es dürfte somit wohl kein Zufall sein, dass meine beiden derzeitigen Lieblingsweihnachtsmärkte in Berlin Mitte sind, wo es gleich vier (!) Weihnachtsmärkte in unmittelbarer Umgebung gibt, die man zu Fuß erreichen kann.

Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt

Dieser Weihnachtsmarkt gehört inzwischen zu den Klassikern und er kostet 1 Euro Eintritt. Nicht zu viel für einen der schönsten Weihnachtsmärkte in Berlin. Romantisch zwischen Schauspielhaus, Deutschem und Französischem Dom gelegen. Hier gibt es Schlemmereien der verschiedensten Art und das Kunsthandwerk ist sehr zahlreich vertreten. Zwar wirkt der Markt ein wenig elitär, aber wer romantische und weihnachtliche Stimmung möchte, ist hier definitiv richtig. Vor allem die schön angestrahlten Gebäude um den Weihnachtsmarkt herum, geben dem ganzen ein tolles Flair.

Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus

Riesenrad des Weihnachtsmarktes vor dem Roten Rathaus
Direkt am Roten Rathaus, um den Neptun Brunnen herum, schlängelt sich derzeit der vielleicht schönste Weihnachtsmarkt in Berlin. Klein aber fein gibt es alles, was das Weihnachtsherz begehrt. Als kleine Besonderheiten gibt es um den Neptunbrunnen herum eine Eisbahn und ein Riesenrad. Außerdem wurde eine kleine Straße dem Berlin um die Jahrhundertwende nachempfunden. Alles mit viel Liebe zu Detail gestaltet und toll ausgeleuchtet. Die Kinder werden alle paar Stunden vom Weihnachtsmann in seinem fliegenden Schlitten begrüßt. Was will man mehr?

Dies nur als kleiner Weihnachtstipp! Beide Weihnachtsmärkte sind noch in den nächsten Tagen offen. Am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag haben beide Märkte bis 21 Uhr auf. Wer einen Spaziergang nach der allgemeinen Weihnachtsvöllerei in Erwägung zieht, dem seien beide Weihnachtsmärkte ans Herz gelegt.

Mehr Informationen gibt es auf den Homepages der Weihnachtsmärkte:



Frohe Weihnachten!

Sonntag, 4. Dezember 2011

Bye-bye tischtennis!

Mein letztes Exemplar "tischtennis"
Ich habe schon länger angekündigt mal einen Beitrag über eine meiner größten Leidenschaften - den Tischtennisport - zu machen. Der eine oder andere wird nun erstaunt über die Überschrift sein. Keine Sorge, ich höre nicht mit Tischtennis auf. Dafür macht mir das viel zu viel Spaß.

Es geht hier nicht um den Sport an sich, sondern um das Magazin "tischtennis" des Philippka Sportverlages in Münster. Wer das Magazin nicht kennen sollte: Es handelt sich um dabei um das einzig mir bekannte deutschsprachige deutschlandweite Tischtennismagazin. Es erscheint monatlich und enthält Informationen aus den Bundesligen und zu verschiedenen nationalen und Internationalen Turnieren.

Vereinszeitung

Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit als Sportfunktionär habe ich dieses Magazin abonniert, was für eine Einzelperson eher ungewöhnlich ist. Eigentlich ist das Magazin nämlich das "amtliche Organ des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB)" - oder vereinfacht ausgedrückt: eine Vereinszeitung.
Nun ist der DTTB natürlich kein gewöhnlicher Sportverein sondern ein Spitzensportverband, also eine übergeordnete Institution, die den Sport deutschlandweit fördern und international vertreten soll. Mitglieder von Spitzensportverbänden sind aber keine Einzelpersonen sondern Sportvereine. Und da auch in "normalen" Vereinen jedes Mitglied mit der Vereinszeitung beglückt wird, muss jeder Tischtennis Verein in Deutschland ein Exemplar des Magazins "tischtennis" beziehen. Dieses Vereinsexemplar geht in der Regel an den Vorsitzenden. Wie viele Einzelpersonen die Zeitschrift beziehen, ist mir nicht bekannt. Einzelne Exemplare gibt es nur in Tischtennisläden und einigen wenigen Kiosken in Deutschland.

Wer braucht "tischtennis"?

Für wen aber ist dieses Magazin eigentlich interessant? Wer liest es?  Ursprünglich war das Magazin als reines Informationsblatt für "Amtliche Mitteilungen" gedacht. Hier wurden wichtige Entscheidungen des DTTB abgedruckt und galten somit offiziell als veröffentlicht. Eine sehr einfache und effektive Methode der Informationsverpflichtung seinen Mitglieder gegenüber nach zu kommen. Daher erklärt sich auch, warum jeder Verein in Deutschland das Magazin beziehen muss. Nur so konnte gewährleistet werden, dass auch wirklich jeder Verein informiert wurde.
Im Laufe der Jahre hat sich aus den amtlichen Nachrichten ein professionelles Magazin entwickelt. Die Aufmachung ist in Hochglanzpapier und die Berichte sind von professionellen Journalisten geschrieben, die aus der Tischtennisszene stammen. Klingt erst mal toll, aber auf den zweiten Blick wird schnell deutlich, dass das Magazin ein ernsthaftes Problem hat: es ist vollkommen uninteressant für die erreichte Zielgruppe.

Hauptabnehmer sind wie schon erwähnt Vereine und vielleicht noch einige Funktionäre. Deren Haupttätigkeit liegt in der Verwaltung und Bearbeitung des Tischtennissports in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich. Dies kann - und ich spreche da aus Erfahrung - eine sehr anspruchsvolle und zeitraubende Tätigkeit sein. Ein Mitglied eines Bezirksvorstandes hat neben Sitzungen, Telefonaten und Emails in der Regel ja auch noch Veranstaltungen wie Bezirksmeisterschaften, Pokalmeisterschaften usw. zu organisieren und zu besuchen. Oftmals sind diese Leute zusätzlich noch in ihren Vereinen tätig und/oder sogar noch selbst als Spieler aktiv. Alles ehrenamtlich versteht sich.

Viel Bilder, wenig Informationen

Welche Informationen bekommt so jemand nun von "tischtennis"? Die traurige Antwort: fast keine. Das Magazin besteht nämlich zum größten Teil aus Ergebnissen und Berichten der Bundesliga und der Nationalmannschaften. Meist werden dann noch Vergleiche mit China gezogen und mal ein Spieler porträtiert. Die optische Aufmachung ist sehr gut. Tolle Bilder, alles in Hochglanz und sehr gut layoutet. Aber der Inhalt...nunja. Es ist sehr seichtes und meist wenig interessantes Geschwafel. Aber das ist nicht das schlimmste: Es ist sogar so geschrieben, als wolle man Leute ansprechen, die gar nicht aus der Tischtennisszene stammen. Ja wen um Himmels Willen denn sonst? Schachspieler? Von einem Tischtennis-Fachmagazin erwarte ich auch Insiderberichte und Hintergründe. Wenn ich tolle Bilder haben will, kaufe ich mir andere Hochglanzmagazine.
Zu allem Überfluss ist der Inhalt meist auch noch ordentlich veraltet. Wenn im Oktober eine Europameisterschaft statt gefunden hat, gibt es irgendwann im November einen Bericht darüber, der exakt das wiedergibt, was ich schon im Internet erfahren konnte. Toll.
Ähnliches sieht es mit den "Regionalseiten" (diese schwarz-weiß-Seiten in der Mitte des Heftes) aus. Die waren ursprünglich mal dafür gedacht, dass man Informationen direkt aus den jeweiligen Landesverbänden erhält. Da diese Berichte oftmals ehrenamtlich produziert werden, ist die Qualität ohnehin sehr schwankend, was ich aber nicht als problematisch ansehe. Schlimmer finde ich, dass die Landesverbände einfach alles hin schicken, was sie so haben und nicht extra produzieren müssen. Mal abgesehen davon, dass ich nach fast 20 Jahren Funktionärstätigkeit Siegerehrungsfotos vor hässlichem Hintergrund - aufgenommen mit billigen Kameras - nicht mehr sehen kann, ist der einzig relevante Inhalt das Ergebnis selbst. Sollte es mich interessieren, kann ich das aber bereits Wochen vorher auf der Homepage des Verbandes bekommen.

Absolut unkritisch

Am schlimmsten finde ich aber die dauerhafte Selbstbeweihräucherung und unkritische Berichterstattung. Negatives hört man eigentlich nur, wenn eine Nationalmannschaft so richtig enttäuscht hat. In der jüngeren Vergangenheit gelegentlich bei den Damen geschehen. Selbst die größte Umstrukturierung in der Geschichte des DTTB vor knapp zwei Jahren wurde in dem Heft kaum diskutiert. Es gab mal einen kurzen Bericht über einen DTTB-Bundestag und dass es da Streit gab und das Präsidium ein bisschen kritisiert wurde. Dass bei dem Konflikt Jahrzehnte alte Freundschaften zerbrochen sind, hochrangige Funktionäre sich gegenseitig verklagt haben und einzelne Bundesländer sogar gedroht haben aus dem DTTB aus zu treten (!!) wurde nur am Rande erwähnt. Mann stelle sich vor, was los wäre, wenn das im Fußball passieren würde.
Nicht einmal eine Glosse, Satire oder ähnliches kann man in dem Magazin finden. Da "tischtennis" aber nicht unabhängig ist, sondern eben direkt vom DTTB kontrolliert und auch zu großen Teilen finanziert wird, liegt der Verdacht nah, dass man da nicht viel kritisches haben will.

Ich brauche kein "tischtennis"

Der Tischtennis-Sport ist und bleibt eine Randsportart. Daran ändern die Weltmeisterschafts- und Olympiaerfolge der Herren in den letzten Jahren nichts. Auch die vielen Europameistertitel von Timo Boll helfen da nicht weiter. Leider scheinen die Macher aber zu glauben, dass man ein Magazin für die Allgemeinheit, ähnlich wie bei Fußballmagazinen, machen sollte.

Natürlich gibt es auch informatives in dem Magazin. So gehört die Rubrik "Regelfragen", bei denen Leser knifflige Regelfragen an die Redaktion stellen können, zu den wenigen Rubriken, die ich immer lese. Auch gibt es hier und da mal ein Interview, was nicht uninteressant ist. Aber mehr als eine halbe Stunde verbringe ich eigentlich nie mit einer Ausgabe.

Da ich im kommenden Jahr einen längeren Auslandsaufenthalt (nähere Infos dazu kommen noch) vor mir habe, habe ich die Gelegenheit genutzt und mein Abo für "tischtennis" zum Ende des Jahres gekündigt. Die aktuelle Ausgabe Dezember 2011 ist also meine letzte. Sollte sich das Magazin in naher Zukunft grundlegend ändern, bin ich vielleicht wieder bereit es zu abonnieren. Gerne gebe ich auch ein paar Tipps, falls gewünscht.

Ich überlege übrigens einen "kritischen Blog" über Tischtennis zu eröffnen und bräuchte dazu Leute, die mitmachen würden. Alleine ist das nicht zu leisten. Wer Interesse hat, kann sich bei mir melden.

Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen: Bye-bye tischtennis!

Dienstag, 22. November 2011

Volksabstimmung Stuttgart 21 – Meinungsbildung schwer gemacht!


Eines vorweg: Ich wohne erst seit zwei Jahren in Baden-Württemberg, aber nicht im „Ländle“ sondern in Nord-Baden in der Nähe von Mannheim. Eigentlich ist also die Abstimmung über das Großprojekt Stuttgart 21 für mich als gebürtigen Berliner emotional und geographisch weit weg. Ich fühle mich keinster Weise für die Region Stuttgart verantwortlich oder bilde mir ein, mir ein objektives Bild von der Lage machen zu können. Ich weiß auch nicht, ob man eher den Befürwortern oder den Gegnern des Großbauprojektes glauben sollte. Beide Seiten beschimpfen und beschuldigen sich gleich übel. Dabei habe ich mir sogar große Teile der Schlichtungsgespräche im TV oder Internet angeschaut und glaube von mir sagen können, politisch interessiert zu sein. Aber obwohl ich mir nicht anmaße eine sinnvolle Entscheidung für oder gegen Stuttgart 21 treffen zu können, bin ich nun gezwungen mich noch einmal intensiv damit auseinander zu setzen, denn am kommenden Sonntag, den 27.11.2011 darf ich über Stuttgart 21 abstimmen.

Volksabstimmungen haben den Ruf nicht sehr beliebt bei den Politikern zu sein. Aus ihrer Sicht durchaus verständlich, wird ihnen doch eine gewisse Entscheidungsbefugnis entzogen. Dass viele Politiker das Volk nur als „Stimmvieh“ begreifen, macht die Sache keineswegs besser.
Als Berliner habe ich bereits drei Volksabstimmungen (Länderfusion 1996, Flughafen-Tempelhof 2008 und Pro Reli 2009) mitmachen dürfen und habe somit zumindest ein paar Erfahrungen in dem Bereich. Ich bin grundsätzlich dafür die Möglichkeit von Volksentscheiden auszuweiten und wenn möglich auch auf Bundesebene zuzulassen. Allerdings sind nicht alle Themen geeignet für eine Volksabstimmung. Würde man beispielsweise das Volk über den Bundeshaushalt entscheiden lassen, wäre das vermutlich fatal. Als Ideal stelle ich mir eine ausgewogene Mischung aus direkter und repräsentativer Demokratie vor.

Verständlichkeit der Fragestellung

Das Problem einer Volksabstimmung ist es, dem „normalsterblichen“ Bürger das Problem und die Lösungsmöglichkeiten begreiflich zu machen. Nicht selten geht es dabei um sehr komplexe Sachverhalte, die selbst Experten nur schwer einschätzen können. Bei Stuttgart 21 ist es leider nicht anders. Die wichtigste Erkenntnis aus den Schlichtungsgesprächen zu Stuttgart 21 war, dass sich selbst die Experten uneins sind. Wie „massenkompatibel“ ist nun die Volksabstimmung in BaWü? Werfen wir als erstes ein Blick auf die eigentlich Frage, die beantwortet werden muss. Diese findet man in einem kleinen Informationsheft, was allen Haushalten zugestellt wurde. Auf der vorletzten Seite befindet sich ein Muster eines Abstimmzettels:



Mal ganz ehrlich: Wer hat auf Anhieb, beim ersten mal lesen, sofort verstanden, wo er das Kreuz machen muss? Niemand? Also nochmal lesen! Nach kurzer Zeit versteht man, dass wenn man FÜR Stuttgart 21 ist, man NEIN ankreuzen muss und wenn man GEGEN Stuttgart 21 ist ein JA. Mich würde nach der Abstimmung eine Statistik interessieren, wie viele Leute das falsch gemacht haben.

Das S 21-Kündigungsgesetz

Die nächste Frage, die sich aus dem Abstimmungszettel ergibt, ist „Was ist das S 21-Kündigungsgesetz?“ Dieses Gesetz ermächtigt – grob gesagt – die aktuelle Landesregierung bestimmte Verträge mit der Bahn und Bauunternehmen im Zusammenhang mit Stuttgart 21 zu kündigen. Welche das sind und welche Verträge die Landesregierung vor hat zu kündigen, geht aus dem Gesetz nicht hervor. Der Gesetzestext ist übrigens auf der Rückseite der Wahlbenachrichtigung abgedruckt. Er sieht so aus:



Wer jetzt denkt „Hä? Das ist alles?“, dem geht es so wie mir. Diese lumpigen paar Zeilen sollen lösen, was keine Schlichtung, keine Demonstration und keine politische Auseinandersetzung geschafft hat? Kaum zu glauben, aber wahr!

Phrasen als Begründungen

Viele werden nun denken: „Die Bürger sind aber klüger, als viele glauben!“ Und damit haben sie völlig recht. Ich bin auch nicht der Ansicht, dass man den Bürgern die Mündigkeit absprechen sollte. Aber man muss ihnen die Problematik auch mit klar verständlichen Worten erläutern. Die Antwort auf mangelnde Transparenz und geringes demokratisches Mitspracherecht kann nicht „Juristendeutsch“ heißen. Das ganze erinnert mich unweigerlich an die Werbespots der ERGO Versicherungsgruppe, die einem zum Teil ja direkt aus dem Herzen sprechen.
Es gibt Versuche, die Problematik dem Volk näher zu bringen. Besagtes Informationsheftchen enthält beispielsweise 10 Gründe für und 10 Gründe gegen Stuttgart 21. Interessanterweise wird das im Inhaltsverzeichnis so formuliert:

Zehn Gründe FÜR die Kündigung und Auflösung der Finanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21“

und

Zehn Gründe GEGEN die Kündigung und Auflösung der Finanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21“

Die Wort „für“ und „gegen“ werden auch im Heft mit Großbuchstaben geschrieben. Alles eher verwirrend, wie ich finde.
Aber auch die eigentlichen Begründungen sind nicht unbedingt sehr zielführend. Ein Beispiel von vielen:

Gegen Stuttgart 21:
Stuttgart 21 ist zum Schaden des Landes und seiner Bürgerinnen und Bürger. Das Projekt bleibt weiter hinter den Versprechen zurück. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum geringeren Nutzen. Stuttgart 21 heißt: zu viel Geld für zu wenig Bahnhof!“

Für Stuttgart 21:
Ganz Baden-Württemberg profitiert von Stuttgart 21. Die Fahrtzeiten werden verkürzt, Verbindungen verbessert und der Schienenverkehr dadurch attraktiver. Es werden Arbeitsplätze weit über die Region hinaus geschaffen.“

Tja, und nun? Es steht Aussage gegen Aussage. Noch ein Beispiel? Bitte:

Gegen Stuttgart 21:
Schon vor Baubeginn sind die Kosten von knapp 3,076 Milliarden Euro bei Vertragsabschluss bis knapp unter den Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro gestiegen.“

Für Stuttgart 21:
Die neuste Kostenkalkulation bestätigt: S 21 ist im Kostenrahmen und hält weiterhin einen Puffer für mögliche Baupreissteigerungen vor.“

Schaut man genau hin, sind sich hier sogar beide einig, nur sieht jeder es als SEIN Argument an. Und so geht es munter weiter. Es gibt noch einige weitere Erläuterungen in dem Heftchen, die eigentlich nur Leuten, die ihre Entscheidung schon gefällt haben, in ihrer Meinung bestärken. Eine differenzierte Meinungsbildung kann mit dieser Broschüre wohl eher nicht erfolgen.
Es gibt dann zusätzlich noch eine Internetseite, die mit kleinen Videos und Textbeiträgen die Bürger informieren zu versucht. Dort man man sich übrigens auch besagte Broschüre als PDF herunter laden. Insgesamt ist die Seite aber in etwa so informativ wie die Videobotschaften der Kanzlerin auf Youtube.
Vielleicht gibt es auch in dieser Woche noch viele Informationsstände und Aktionen, die auf die Volksabstimmung hinweisen werden und informieren wollen. Allerdings habe ich bei mir hier bisher nichts dergleichen gesehen. Wäre schade, wenn sich solche Aktionen nur auf den Raum Stuttgart beschränken würden, denn abgestimmt wird in ganz BaWü!
Natürlich gibt es hunderte weiterer Seiten und Blogs, die sich auf die eine oder andere Seite mit dem Thema befassen, aber neutrale Informationen zu erhalten ist nahezu unmöglich. Zu emotional wird die Debatte inzwischen geführt.

Volksabstimmung als neues Instrument der Demokratie

Nur damit das richtig verstanden wird: Ich bin froh, dass es diese Volksabstimmung gibt und ich vermute sogar, dass es aus juristischen Gründen kaum eine andere Möglichkeit gegeben hätte, die Volksabstimmung so zu gestalten, wie sie nun laufen wird. So gesehen muss man den Grünen in BaWü danken, dass sie die erste Volksabstimmung in diesem Bundesland überhaupt möglich gemacht haben. Aber die ganze Vorgehensweise zeigt: Im Umgang mit Volksabstimmungen sind die Politiker gerade in BaWü bisher unerfahren und ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt so richtig darüber nachgedacht wurde, dass man auch den normalen Menschen erklären muss, was das alles bedeutet.
Zu dieser Unerfahrenheit gehört auch der Umgang mit dem Ergebnis. Ich bin gespannt, wie die unterlegene Seite reagieren wird. Die Politiker werden sicherlich das tun, was sie immer tun. Sie werden sich ab dem 27.11.2011 19 Uhr zurück lehnen und sagen „Das Volk hat entschieden!“ Hier kann man nun auch ganz bequem die Verantwortung auf jemand anderes verschieben.

Ende des Konflikts

Gespannt darf man allerdings darauf sein, wie die bürgerlichen Konfliktparteien auf das Ergebnis reagieren werden. Es wird sich zeigen, ob beide Seiten wirklich verstanden haben, welche Bedeutung diese Abstimmung hat. Diese Volksabstimmung ist der letzte Schritt eines jahrelang anhaltenden Streits. Was viele auf beiden Seiten aber vielleicht nicht begreifen: es MUSS der letzte Schritt sein. Auf beiden Seiten wurde immer wieder gerne betont, dass es um den „Willen des Volkes“ geht. Beide Seiten haben immer wieder betont, dass ihre Position der „Wunsch der Mehrheit“ ist ohne dies irgendwie belegen zu können. Nun ist es soweit! Das Volk wird befragt und egal, wie es ausgeht: Die Unterlegenen sollten sich fügen, denn es gehört auch zu einer Demokratie, die Mehrheiten anzuerkennen – gerade nach einer Volksabstimmung! Allerdings habe ich so meine Zweifel, dass diese Information bei wirklich allen Demonstranten angekommen ist. Zu emotional ist die Auseinandersetzung inzwischen geworden.

Man kann nur hoffen, dass es in Zukunft mehr Volksabstimmungen geben wird und man aus dieser hier lernt. Wenn es die neuen politischen Kräfte in Baden-Württemberg wirklich ernst meinen mit einem neuen Demokratieverständnis sollten sie als nächstes die sehr hohen Hürden für Volksabstimmungen senken. Das wäre mal ein echtes Zeichen von Veränderung!


Übrigens: Derzeit tendiere ich dazu FÜR Stuttgart 21 also GEGEN das Kündigungsgesetz zu stimmen. Aber entschieden habe ich mich noch nicht. Vielleicht findet ja noch jemand das richtige Argument mich für eine Seite zu begeistern. Viel Hoffnung habe ich aber nicht.

Update vom 26.11.2011:
Eben gerade habe ich zufällig dieses Video auf der Seite der Südwest Presse entdeckt, was die von mir hier angesprochene Thematik ganz gut verdeutlicht, auch wenn das natürlich nicht repräsentativ ist.





Dienstag, 8. November 2011

7 Tage Fasten - Das Fazit

Es ist nun schon einige Zeit her, dass ich mein Fastenprojekt abgeschlossen habe. Ich hatte noch ein kleines Fazit versprochen, bin aber leider erst jetzt dazu gekommen, was zu schreiben.

Wie ich schon in meinem ersten Blogeintrag zum Fastenthema kurz ausgeführt habe, war das Ganze für mich nur ein Experiment. Es diente weder einem gesundheitlichen noch einem politischen oder gar religiösen Zweck. Ich habe mir einfach schon seit längerem die Frage gestellt, wie einfach oder schwierig es eigentlich ist zu fasten. Interessant ist auch die Frage, inwieweit Fasten eigentlich alltagstauglich ist.

Die Vorbereitung

Als Vorbereitung darauf habe ich mal ein wenig im Internet gewühlt und mir die Tipps diverser Seiten durchgelesen. Auch in das eine oder andere Buch habe ich mal rein geschaut. Auf das komplette Durcharbeiten der Bücher habe ich aber verzichtet.
Beschäftigt man sich mit dem Thema, stellt man schnell fest, dass es viele verschiedene Arten von Fastenkuren gibt. Diese unterscheiden sich in der Art und Menge der Tees und Säfte, die man so in der Zeit zu sich nehmen darf und sollte. Hier gehen die Meinungen zum Teil weit auseinander. Das Ziel ist aber komischerweise bei allen gleich: Sich hinterher besser fühlen. Es geht nicht, wie man vielleicht annehmen sollte um Gewichtsabnahme oder um einen echten gesundheitlichen Effekt. Nein, das Primärziel ist schlicht "Sich besser fühlen!" Zum Thema Gewichtsabnahme sind sich die Ratgeber auch ziemlich einig: Fasten ist keine Diät!

Sich wohl fühlen

Wie aber erreicht man nun dieses wohlige Gefühl, dass einem die Fastenratgeber versprechen? Das Zauberwort hier heißt "Darmreinigung". Die meisten Fastenkuren gehen davon aus, dass ein gereinigter Darm ein glücklicher Darm ist. Und um einen sehr bekannten Werbespruch etwas frei zu zitieren: "Ist der Darm glücklich, freut sich der Mensch!"
Wie ich aus meiner eigenen Ausbildung (studierter Biologe und ausgebildeter Sanitäter) weiß, hat der Darm in der Tat einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Eine ganze Industrie hat sich dieses Wissen bereits zu nutze gemacht: die Joghurt-Industrie. Mit so griffigen Schlagworten wie "linksdrehende Jogurtkulturen" oder irgendwelchem "probiotischem" Krempel wird einem suggeriert, dass man da gaaaaanz liebe Mikroorganismen in den Körper lässt, die mal ordentlich aufräumen und den Darm liebkosen. Das Problem: Es gibt keinen Beweis dafür, dass das überhaupt funktioniert. Bevor nämlich die Joghurt-Kulturen in den Darm gelangen, müssen sie durch den Magen. Dieser hat eine sehr interessante Funktion: Er tötet Bakterien und Mikroorganismen weitgehend ab, damit diese sich nicht im Körper ausbreiten und Krankheiten verursachen können.

Wer sich mit fasten beschäftigt, merkt schnell, dass "sich wohl fühlen" ein sehr relativer Begriff ist. Generell ist Fasten immer als eine Art Gesamtkonzept zu begreifen, in dem es um Erholung und und Ruhe geht. So soll man "abschalten", in "Ruhe spazieren gehen" und sich auch mal "etwas gönnen". Nun wird sich der eine oder andere fragen, was man sich denn da noch gönnen könnte, wenn man doch fastet. Ich komme nicht umhin den Fastenanhängern eine gewisse masochistische Ader zu unterstellen, denn ein zentrales Thema ist immer wieder das Abführen und die schon angesprochene Darmreinigung. Wie man abführt ist eigentlich egal, Hauptsache es wird getan. Empfohlen wird dabei immer wieder der gute alte Einlauf! Aber auch Glaubersalz oder Sauerkrautsaft helfen den Darm ordentlich zu entleeren. Aber mal ehrlich: Wer will das wirklich und wer würde das als "wohlfühlen" bezeichnen? Vermutlich die gleichen Leute, die auch 200km-Läufe machen oder von 30m hohen Klippen springen.

Fasten als gesellschaftliche Anerkennung

Für mich sehr spannend waren die Reaktionen auf das Fasten. Es haben mich doch mehr Leute darauf angesprochen, als ich so erwartet hätte. Viele fragten mich "Warum machst du das?" und andere sagten, dass sie beeindruckt wären und sie das eigentlich auch schon immer mal machen wollten. Keiner hingegen sagte, dass er das vollkommen dämlich finden würde. Mein subjektiver Eindruck ist, dass Fasten allgemein durchaus anerkannt ist. Auch wenn es eigentlich kaum noch Gründe dafür gibt. Kaum jemand ist heute noch so religiös, dass er in der Fastenzeit tatsächlich auf Nahrung verzichtet und der medizinische Nutzen ist weitgehend unbewiesen. Trotzdem wird ein Fastender doch mit ein wenig Bewunderung angeschaut. Warum eigentlich?
Ich glaube, dass es an der Disziplin liegt, die man in aller Regel aufwenden muss, um das eigene Hungergefühl zu überwinden. Wir leben in einer Gesellschaft, die Disziplin, Frühaufsteher und Workaholics bewundert. Drogensucht wird als Krankheitsbild therapiert, während jemand, der eine krankhafte Sucht nach seiner Arbeit hat, als besonders erfolgreich gefeiert wird - ein Phänomen der Leistungsgesellschaft.

Fazit

Ich wurde ein paar mal gefragt, ob ich noch einmal fasten würde und die Antwort ist klar: Nein! Es erschließt sich mir keinen tieferer Sinn darin. Weder muss ich mir irgendwas beweisen, noch fühlte ich mich danach besser. Ich glaube, dass das "bessere Gefühl" eher eine Art Placebo-Effekt ist, den die Leute, die fest an die Wirkung glauben, auch verspüren. Vielleicht aber wirkt eine solche Fastenkur auch nicht bei jedem Menschen gleich. Die Verträglichkeit von Medikamenten ist ja auch nicht für jeden identisch.

Egal was es ist, ich assoziiere mit "wohl fühlen" weniger den Verlust als das Vorhandensein von Nahrung. Für mich ist Fasten also eher nichts.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Piraten - Kommt aus den Puschen!

"Komm aus den Puschen!" hat meine Mutter früher immer zu mir gesagt, wenn ich irgendwie herumgetrödelt habe. "Puschen" ist ein altes Wort für "Hausschuhe" oder "Latschen". Man könnte den Satz heute mit "Mach hinne!" oder "Komm aus dem A****!" übersetzen.

Vermutlich würde meine Mutter genau das jetzt zu den Piraten sagen, wenn ihr diese über den Weg laufen sollten. Da wird die Partei am 18. September sensationell in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt und erhält vorgestern mit der Analyse eines Staatstrojaners eine Steilvorlage, wie sie besser nicht hätte sein können. Alle großen Medien berichten. Selbst Tagesschau und Tagesthemen (!) berichten mehrere Minuten über das Thema. Der bayerische Innenminister gerät stark in Bedrängnis und von der etablierten Politik ist ansonsten kaum was zu sehen. Nur die Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) äußert sich vor der Kamera. Aber sonst: Kein Seehofer, kein Gabriel und auch keine Merkel. Die Politiker befinden sich derzeit noch im Schockzustand oder versuchen es mit der Eurokrise zu übertünchen.

Und was machen die Piraten? Von denen hört man genauso wenig. Kaum Gemecker, kaum irgendwelche Forderungen. Dafür Sätze wie

Man muss sehen, inwieweit die Leute durch den Vorfall sensibilisiert werden und nicht einfach einen untragbaren Zustand hinnehmen, weil sie ihn nicht richtig einschätzen können. Die Frage ist, ob man die Sache zum Anlass einer politischen Entscheidung macht.


Ähm...ja...genau. Wenn mir jemand erzählt hätte, dass das Kanzlerin Merkel gesagt haben soll, hätte ich das genauso geglaubt. Aber das Zitat stamm von Sebastian Nerz, dem Bundesvorsitzenden der Piraten. Der bekannte Blogger Fefe, der nicht gerade für seine feine Rhetorik bekannt ist, hat noch deutlich mehr solcher Sätze aufgelistet.

Heute nun kommen die Piraten langsam in Fahrt. Allerdings nur in diversen privaten Blogs, wie der von Christopher Lauer, der nun Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin ist. Und natürlich ist man auch auf der offiziellen Bundesparteiseite "empört". Warum aber gibt es keine Pressekonferenz der Berliner Piraten oder der Bundespartei? Oder habe ich da irgendwo was verpasst? Während CDU, SPD, FDP und Grüne noch überlegen, wie sie sich äußern, hätten die Piraten schon einmal mit ihrer KERNKOMPETENZ glänzen können. Die Piraten wurden nicht gewählt, weil sie "ganz nett" sind, sondern um den etablierten Parteien in GENAU DIESEM PUNKT zu zeigen, wo der Hase im Pfeffer sitzt. Aber anstatt sich auch nur in irgendeiner Weise gemeinschaftlich (wie es für eine Partei üblich ist) zu äußern, schreibt jeder einen Blogeintrag. Super! Ich bin gespannt, wie viele Leute, die nicht täglich 10 Stunden vor dem PC hocken, die wohl lesen werden. Macht ihr Politik für euch selbst oder für alle Menschen? Ihr wollt in den Bundestag einziehen? Dann müsst ihr auch mal laut sein! Ihr habt gute Leute in euren Reihen, wie man bei Pressekonferenzen immer wieder sehen konnte. Christopher Lauer als Berliner Abgeordneter und Marina Weisband als Bundesgeschäftsführerin seien hier an vorderster Stelle genannt. Ihr müsst genau JETZT laut sein, dann ist euch vermutlich sogar ein zweistelliges Ergebnis in Bundesumfragen sicher.

Piraten, kommt aus den Puschen. Macht was draus. Es ist eure Zeit!

Übrigens: Könnte ich eine Pressekonferenz einberufen, hätte ich es getan, aber mir bleibt leider nur ein Blog.